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Größte regenerative Baumaßnahme im Allgäu


Sieht es nun aus wie eine gefrorene Welle, eine Gletscherzunge oder ein sternförmig geschliffener Flussstein? Darüber streiten sich die Geister.


Ein „echter Hingucker“ dürfte das neue Kraftwerk an der Iller in Kempten jedenfalls werden. Ein Kraftwerk, das in Form und Farbe an dynamische Flusselemente erinnern soll.

AÜW Wasserkraftwerk in der Keselstraße liefert umweltfreundlichen Strom
Am Freitag, 11. Dezember 2009 wurde das neue Wasser-
kraftwerk in der Keselstraße geflutet. Damit liefert das neu gebaute Wasserkraftwerk Strom aus umweltfreundlicher Wasserkraft für rund 3.000 Haushalte. Feierliche Eröffnung des neuen Wasserkraftwerks sowie ein Tag der offenen Tür ist nach der finalen Fertigstellung im Juli 2010.

Fast genau zwei Jahre und einen Monat nach dem ersten Spatenstich von 13 AÜW-Mitarbeiter-
kindern für das neue Wasserkraftwerk feierte das AÜW wieder. Dieses Mal das „Drehfest“. Das „Drehfest“ ist beim Wasserkraftwerksbau eine alte Tradition: Gefeiert wird der Moment, wenn sich das Turbinenrad das erste Mal bewegt, indem die Iller durch die Turbinen des neu gebauten Wasserkraftwerkes strömen. Am 11. Dezember 2009 war das der Fall.


Im neuen Kemptener Wasserkraftwerk werden künftig circa 10,5 Millionen Kilowattstunden CO2-freier Strom jährlich produziert. Damit können rund 3.000 Haushalte versorgt und etwa 5.400 Tonnen der schädlichen CO2-Emissionen vermieden werden. Die beiden Kaplanturbinen stammen von der Firma AndritzHydro aus Ravensburg. Jede Turbine hat einen Nenndurchfluss (Schluck-vermögen) von 32 Kubikmeter pro Sekunde. Das Volumen kann man sich vorstellen, als ob auf der Allgäuer Festwoche 32.000 Bier-
maßkrüge pro Sekunde auf einmal ausgetrunken werden.

Östlich und westlich der Iller ragen die imposanten, denkmalgeschützten Bauten der ehemaligen Spinnerei/Weberei in die Höhe. Dazwischen steht das neu gebaute Wasserkraftwerk, das in Form und Farbe an dynamische Flusselemente erinnert.


Noch bis in das kommende Jahr wird an der Außenanlage und am Dach des neuen Kraftwerkes gearbeitet. Bis jetzt sind über 11.000 Kubikmeter Beton und mehr als 770 Tonnen Stahl ver-
baut. Und auch der gesetzlich geforderte Lärmschutz für Wohngebiete ist in zweifacher Hinsicht erfüllt. Zum einen durch entsprechende Schallschutz-Maßnahmen an und in den Gebäuden. Zum anderen, weil wegen einer Kapazitätssteigerung des Werkes (um rund 30 Prozent) künftig noch seltener Wasser in großen Mengen über die Wehrkrone fließt, es also weniger rauscht.

Gefrorene Welle, eine Gletscherzunge oder ein sternförmig geschliffener Flussstein?


Ob das neue Kraftwerk nach Abschluss aller Schönheitskor-
rekturen dann wie eine gefrorene Welle, eine Gletscher-
zunge oder ein sternförmig geschliffener Flussstein aus-
sieht, davon können sich Interessierte im kommenden Jahr am „Tag der offenen Tür“ am 11. Juli selber überzeugen.

Die Bauzeit dauerte insgesamt zwei Jahre. Dabei musste
die eine oder andere Hürde genommen werden. Die größte Hürde: die „Baugrubensicherung“. Bei der Planung des neuen Wasserkraftwerkes gingen die Ingenieure davon aus, dass der Fels im Uferbereich in sich geschlossen – also fest – ist. Beim Start des Baus stellte sich jedoch schnell heraus, dass diese Annahme falsch war. Statt auf eine feste Struktur sind die Bauarbeiter auf eine „glüftige“ Felsstruktur gestoßen. Damit der Fels nicht auseinander bricht, mus-
sten die Brocken des Felses „zusammengenagelt“ werden.


Für das Zusammennageln des Felses wurden Stahlnägel mit einem Durchmesser von 28 bis 40 Millimeter und bis zu zwölf Meter Länge verwendet. Mit diesen Stahlnägeln wurden die einzelnen Felsbrocken – die man sich ungefähr so groß wie ein Zimmer vorstellen kann – zusammengenagelt. Dabei wurde von oben nach unten vorgegangen – und das über eine Gesamthöhe von 20 Meter. Mit dieser außergewöhn-
lichen Architektur des neuen Wasserkraftwerkes setzt das AÜW an der Keselstraße ein unübersehbares Symbol für seine nachhaltige Energiepolitik. Mit der Modernisierung, bzw. den Neubau von Wasserkraftwerken in der Region wird ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet.


Daten und Fakten Wasserkraftwerk Keselstraße:

Baubeginn:
November 2007 – Fertigstellung: Ende 2009 / Juli 2010

Stromerzeugung p. a.:
ca. 10,5 Millionen Kilowattstunden CO2-freier Strom Investitionsvolumen: rund 15 Mio. Euro

Architekten:
Kemptener Büro Becker Architekten





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