Wasserkraftwerk Keselstraße

Im Fluss – aus dem Fluss – für den Fluss

Das AÜW-Laufwasserkraftwerk an der Keselstraße

Am linken Illerufer in Kempten wurde 2010 ein neues, hocheffizientes Wasserkraftwerk fertiggestellt, das ein altes aus den 1950er Jahren ersetzt. Es ist mehr als nur leistungsstark: Zum einen wurde seine Architektur, geplant und ausgeführt vom Büro becker architekten, mehrfach ausgezeichnet. Zum anderen ist es Teil einer „Erlebniswasserwelt“, in der Schulklassen im Rahmen von Energieworkshops sowie Interessierte bei öffentlichen Führungen hautnah in die Welt der Stromerzeugung durch Wasserkraft eintauchen können.

Ein funktionales, architektonisches Kleinod 

Besonderen Wert legte das AÜW bereits bei den Planungen darauf, dass sich das neue Kraftwerk organisch in das benachbarte, denkmalgeschützte Ensemble der ehemaligen Spinnerei und Weberei (Rosenau) sowie in den Naturraum der Iller einfügt.

So entstand ein durchgängiger, weich geformter Baukörper, der die beiden Endpunkte des Kraftwerkhauses – Generatoren/Transformatoren und Wehreinrichtungen – verbindet. Etwa mittig taucht die Gebäudehülle unter der historischen Fachwerkbrücke hindurch. Eine weitere Attraktion rund um das Laufwasserkraftwerk an der Keselstraße ist der neue, nun durchgehende Iller-Geh- und Radweg, der direkt am Gebäude vorbeiführt.

Rücksichtnahme auf Anwohner und Umwelt

 

Schallschutz

Als Energieerzeuger für die Menschen in der Region und mit den Menschen in der Region, sind wir froh, den gesetzlich geforderten Lärmschutz für Wohngebiete übererfüllen zu können.

Das gelingt im Kraftwerksbereich durch Maschinensätze ohne Getriebe, eine niedrige Turbinendrehzahl, wassergekühlte Generatoren und Schallschutzmatten im gesamten Kraftwerksbereich wie auch im Staubalkenwehr.

 

Fischökologisch und fischfreundlich

Stolze 76 Meter Länge misst die Fischaufstiegsanlage, die 5,10 Meter Höhenunterschied durch einen modernen Schlitzpass mit insgesamt 30 Becken überwindet. Um die uneingeschränkte Auffindbarkeit für Fische zu gewährleisten, hat der Turbinenauslauf eine seitliche Mündung.

Bereits weit vor dem Einlauf der Turbinen wurde ein 80 m² großer Feinrechen schräg zur Wasserfließrichtung eingebaut. Als besonders vorteilhaft erweist sich zudem der 30 mm Abstand der horizontalen Rechenstäbe. Dadurch werden ankommende Fische am Einschwimmen in den Oberwasserkanal gehindert und zu einer Bewegung längs der geneigten Rechenfläche veranlasst. Um Fischschäden auch dann zu verhindern, wenn das Schluckvermögen der Wasserkraftanlage überschritten wird, wird zunächst die Klappe des Staubalkenwehrs ständig abgesenkt. So können die Fische unbeschadet das ausreichend tiefe Wasserpolster passieren. Damit auch Kleinorganismen die Fischaufstiegsanlage durchwandern können, wurde ein durchgehendes natürliches Sohlsubstrat eingebaut.

 

Die Auszeichnungen für das AÜW-Laufwasserkraftwerk an der Keselstraße

Becker architekten – Auszeichnung zum Deutschen Architekturpreis  

1971 ins Leben gerufen, wurde der Deutsche Architekturpreis nach einer vierjährigen Pause 2011 wieder ausgeschrieben. Mit 30.000 Euro dotiert ging er 2011 an David Chipperfield Architects in Zusammenarbeit mit Julian Harrap für das Projekt „Wiederaufbau Neues Museum“ in Berlin.

Die international besetzte Jury vergab außerdem fünf weitere mit jeweils 5.000 Euro dotierte Auszeichnungen. Eine davon erhielt das Büro becker architekten aus Kempten für das 2010 in Betrieb genommene AÜW-Wasserkraftwerk in der Keselstraße in Kempten.

Mit dem Deutschen Architekturpreis werden für die Entwicklung des Bauens in unserer Zeit beispielhafte Bauwerke oder Gruppen von Gebäuden und Außenräumen ausgezeichnet, die im Zusammenhang einen hohen städtebaulichen Wert haben. Sie sollen eine besondere baukulturelle Qualität aufweisen beziehungsweise einen vorbildlichen Umgang mit der Sanierung und Modernisierung historischer Bausubstanz zeigen.

Diese Parameter erfüllt das 2010 fertiggestellte Laufwasserkraftwerk an der Iller in besonderer Weise. Die außergewöhnliche und eigenständige Architektursprache sowie die städtebauliche Einbindung machen das AÜW-Wasserkraftwerk zu einem bemerkenswerten Meilenstein für regenerative Energiepolitik.

 

Deutscher Architekturpreis Beton

Das Allgäuer Überlandwerk und becker architekten freuen sich über den Deutschen Architekturpreis Beton 2011

Bei dem Gedanken an Wasserkraftwerke denken viele an einfache und praktische Gebäude – schließlich dienen diese zunächst nur einem Zweck: der Produktion von Energie aus Wasserkraft. Dass es auch anders geht, zeigt das 2010 fertiggestellte Wasserkraftwerk des Allgäuer Überlandwerks in Kempten. Das sah auch die Jury des Deutschen Architekturpreises Beton 2011 so. Die Jury wählte aus 100 eingereichten Arbeiten neben dem AÜW-Wasserkraftwerk vier weitere Preisträger aus und vergab drei lobende Anerkennungen. Zu den anderen Preisträgern zählen international bekannte Namen wie David Chipperfield, Diener & Diener oder Behnisch Architekten.

 

pbb Architekturpreis 2010

Die pbb Stiftung Deutsche Pfandbriefbank mit Sitz in München vergibt den bundesweiten Architekturpreis für vorbildliche Gewerbebauten. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung und des Präsidenten des Bundes Deutscher Architekten (BDA). Durch den Preis will die Stiftung „das Bewusstsein für eine nachhaltige, ästhetisch-gestalterische und städtebauliche Betrachtung – auch außerhalb repräsentativer Orte – fördern.“

Das AÜW-Wasserkraftwerk überzeugte durch seine außergewöhnliche und eigenständige Architektursprache sowie die städtebauliche Einbindung, die es zu einem bemerkenswerten Meilenstein für regenerative Energiepolitik machen.

Besuchen Sie doch das Wasserkraftwerk bei einer Führung 

1 Kommentar

  1. Krämer, Neu-Ulm am 22. Mai 2016

    Ein beispielhafter Beitrag für die Baukultur!
    Großes Kompliment an die Architekten und die engagierte Bauherrschaft.

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