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Windkraft – ja oder nein?

Windkraft im Allgäu – ja oder nein? Gute Argumente haben beide Seiten.

Lesen Sie warum AllgäuStrom Mitarbeiter Gerhard Juli Windkraft im Allgäu befürwortet. Für die Gegenseite  argumentiert Dr. Wilfried Haesen, Vorsitzender der Initiative Landschaftsschutz Kempter Wald und Allgäu e.V.

Gerhard Juli
AÜW, Kempten

„PEESA zeigt, dass neben Photovoltaik (PV) die Windkraft ein enormes Potenzial hat. Zwischen Bodensee und Salzburg besitzt nur das Allgäu diese ausgedehnten Hügelketten mit Höhen von 700 bis über 1.000 Meter, die – weit entfernt von Siedlungen – sehr gute Windbedingungen bieten. Die Windverhältnisse sind vergleichbar mit norddeutschen Gebieten und besser als in Sachsen-Anhalt, wo der Wind einen großen Teil des Strombedarfs deckt. Natürlich ist eine Windkraftanlage weithin sichtbar, allerdings prägen seit jeher Bauwerke unser Landschaftsbild.

Untersuchungen in Regionen mit hoher Dichte von Windkraftanlagen zeigen, dass der Tourismus nicht leidet. Zudem: Die Studie ergab ein Potenzial von rund 140 Windkraftanlagen. Ziel war nie, diese alle zu bauen, so wie dies mehrfach – falsch – kommuniziert wird. Selbstverständlich respektieren wir das im Regionalplan festgelegte Ausschlussgebiet, so dass höchstens ein Drittel realisiert werden könnte.

Fakt ist, dass jede erzeugte Kilowattstunde (kWh) Windstrom den Einsatz von Kohle und Erdgas mindert und uns unabhängiger von Importen macht. Als regionale Anbieter müssen wir einen großen Teil unseres Stroms an der Strombörse kaufen. Ein Ausbau der Eigenkapazität macht uns unabhängiger von den Börsenpreisen. Die Internationale Energieagentur und viele Experten gehen davon aus, dass das Maximum der weltweiten Ölförderung derzeit überschritten wird. Da nur 1,6 Prozent der Stromerzeugung aus Öl stammen, glauben viele, dies habe keinen Einfluss auf die Stromerzeugung. Eine Leitstudie der Bundesregierung geht sogar von einem Rückgang des Stromverbrauchs infolge besserer Effizienz beim Verbrauch aus.

Dagegen sagen Dr. Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik und andere eine Zunahme voraus. Denn dort, wo dies möglich ist, wird Strom längerfristig das Öl ersetzen, etwa bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken oder bei Elektro- oder Wasserstoff-Fahrzeugen. Damit werden Effizienzgewinne mehr als aufgefressen. Die Belange des Tourismus und des Landschaftsschutzes werden durch das Ausschlussgebiet berücksichtigt. Im Allgäu gibt es bereits überdurchschnittlich viele PV-Anlagen und die noch realisierbaren Potenziale der Wasserkraft werden ausgebaut. Windkraft ist jedoch Teil eines ausgewogenen Energiemixes, und das Allgäu kann damit seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Natürlich nehmen wir die Bedenken der Kritiker ernst. Aber angesichts unserer Verantwortung für künftige Generationen sollten wir regenerative Energiequellen überall dort nutzen, wo dies möglich ist. Und nicht nach dem
Motto, ja schon, aber nicht vor unserer Haustür verfahren.“

Dr. Wilfried Haesen
Initiative Landschaftsschutz
Kempter Wald und Allgäu e.V.

„Eigenart und Schönheit des Allgäuer Alpenvorlandes dürfen und müssen der Windenergie nicht geopfert werden. Ein Opfer wäre es aber, in dieser – jüngst von Ministerpräsident Horst Seehofer als ,Paradies’ gepriesenen – Landschaft fast 200 Meter hohe Windkraft-Türme zu errichten, welche die Landschaft als völlig maßstablose technische Konstruktionen überformen würden.

Wer heute von den Höhen bei Betzigau in östlicher Richtung über das Land blickt, dessen Aufmerksamkeit wird von immer mehr Windrädern gefangen. Das Gefühl von landschaftlicher Ruhe und Schönheit ist hier schon gestört. Dafür, diesen falschen Weg nicht fortzusetzen, gibt es viele überzeugende Gründe, von denen ich hier nur fünf nennen will:

  • Erstens besteht für das AÜW kein Grund, ausgerechnet im Allgäu Windräder aufzustellen. Regionale Energieversorgung bedeutet nicht gleichmäßige regionale Nutzung eines jeden Energieträgers. Schließlich setzen wir auch keine Kohlekraftwerke in unsere Landschaft hinein. Vorstellungen von einer regionalen Eigenversorgung grenzen angesichts der Verteilung des Stroms über europaweite Netze an Volksverdummung.
  • Zweitens hat die Windindustrie keinen Vorrang vor dem Landschaftsschutz. So steht es im Gesetz und in den Regierungsprogrammen von Berlin und München. Diese Versprechen dürfen nicht gebrochen werden.
  • Drittens ist ein Ausbau der Windkraft zumindest im Allgäu energiewirtschaftlich keineswegs nötig. Die PEESA-Studie mit Daten von 2006 ist im entscheidenden Punkt, nämlich bei der Bedarfsprognose, überholt: Wegen des technischen Fortschritts wird nach der Leitstudie 2008 der Bundesregierung künftig viel weniger Strom verbraucht als bisher angenommen; im Allgäu können wir leicht so viel einsparen, wie das AÜW mit zusätzlichen Windrädern produzieren soll.
  • Viertens besteht in Wahrheit kein Zusammenhang zwischen mehr Windkraft und einer besseren CO2-Bilanz. Die fossilen Kraftwerke werden nämlich nicht abgeschaltet, wenn der Wind weht. Im Gegenteil werden mit dem Zubau von Windkraftanlagen Emissionsrechte frei. Die Stromkonzerne verdienen also weiter Geld mit allen Energieträgern und lachen sich ins Fäustchen.
  • Fünftens spielt die Windenergie für den Arbeitsmarkt im Allgäu eine viel geringere Rolle als Tourismus und Naherholung. Diese würden unter der Verunstaltung der Landschaft durch die riesigen Windkraftanlagen mit gewaltigen Rotoren sowie bedenklichen Emissionen schwer leiden. Die Windindustrie sitzt in Norddeutschland und lebt ohnehin vom Export, nicht vom Binnenmarkt. Auf Einspeisesubventionen lauern allerdings Windkraftfonds und ,Bürgerwindparks’. Ihren Interessen sollten wir unsere wunderschöne Landschaft nicht preisgeben.“

 

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